Prozess für Mike

Liebe Antirassistinnen, Liebe Antirassisten,
unser Freund und Mitglied der Falken Mannheim Mike wurde im Februar am Paradeplatz rassistisch beleidigt und angegriffen. Für Mike, der schwarz ist und als Flüchtling von Gambia nach Deutschland kam, ist es nicht das erste Mal, dass er Rassismus in Deutschland erlebt hat. Dieses Mal hat er allerdings erhebliche physische und psychische Verletzungen davon getragen und hat sich entschieden gemeinsam mit dem Verein Leuchtlinie, die sich für Opfer rassistischer Gewalt einsetzen, und uns entschieden zu klagen. Wir wollen ihn gemeinsam bei diesem Weg begleiten, da es einerseits ein sehr emotional belastender und andererseits finanziell für ihn nicht zu stemmender Weg ist. Außerdem halten wir es für sehr wichtig, dass die Alltäglichkeit von Rassismus in Deutschland endlich anerkannt und bekämpft wird. Wir hoffen, dass viele von euch diesen Weg unterstützen und mitverfolgen. Um ihn zu gehen brauchen wir vor allem Geld und Aufmerksamkeit.

Deshalb bitten wir euch seid solidarisch, spendet und teilt unser Anliegen. Spenden könnt Ihr bereits ab jetzt über unser Konto:
SJD Die Falken, Santander Bank
IBAN DE25500333001296687700
BIC SCFBDE33XXX
Stichwort: AntiRa

Auf dieser Seite werden wir regelmäßig Infos zu dem Prozess, sowie anderes Material was im Zusammenhang mit diesem Übergriff steht, veröffentlichen um euch auf dem Laufenden zu halten und transparent und ansprechbar zu sein.

Mitteilung über die Entwicklung um den Prozess zu dem rassistischen Übergriff

Als erstes möchten wir uns entschuldigen, dass es jetzt doch so lange gedauert hat, bis wir uns mit weiteren Informationen über den Prozess zu dem rassistischen Übergriff auf Mike melden.
Das lag daran, dass sich einfach nichts getan hat. Mike hat mit dem Anwalt zwei mal Widerspruch gegen die Einstellung des Verfahrens gestellt. Zweimal wurde er abgewiesen. In Abstimmung mit Mike und der Leuchtlinie haben wir uns dazu entschieden nicht weiter juristisch in diesem Fall vorzugehen. Die mögliche Strafe für den Angreifer ist im Vergleich für den Aufwand und die Belastungen insbesondere für Mike nicht mehr in einem Verhältnis, dass es für uns für sinnvoll erscheint. Gemeinsam wollen wir aber weiter daran arbeiten eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen um darzulegen, dass im Besonderen das Gericht in diesem Prozess die Tragweite von rassistischen Übergriffen leider nicht versteht. Für Mike und und andere Opfer rassistischer Gewalt ist es ein Schlag ins Gesicht zu hören, dass dieser Fall eingestellt wird, weil das Gericht meint es gäbe einen mangel an öffentlichem Interesse, weil die rassistische Tatmotivation leider nicht bewiesen werden kann. Das Gericht beruft sich darauf, dass der Vorwurf der rassistischen Äußerungen nur auf Mikes Aussagen beruhen und bei dem Übergriff leider nicht zu sehen ist, wer als erstes eine aktive Handbewegung in die Richtung des anderen macht.

Was zu sehen ist und bei unserer Argumentation nicht beachtet wurde, ist, dass der Angreifer erst an Mike vorbei läuft, hätte weggehen können, aber zurück kommt und auf Mike einschlägt. Dabei ist der Angreifer bei weitem der aktivere Part und Mike, mit noch stehend auf dem Fahrrad versucht sich zu schützen. Dazu nimmt Mike die Arme nach vorne und versucht den Angreifer von sich wegzuhalten. Erst durch eingreifen Anderer wird der Angreifer gestoppt.
Die rassistischen Äußerungen sind auf dem Video ohne Ton natürlich nicht zu hören, aber wurden wohl von mehreren Umstehenden, die sich an Mike wandten, gehört. Leider hat die Polizei es nicht für nötig empfunden diese Zeugen zu befragen, sondern eine Straßenbahnfahrerin, die leider die Situation nur sehr verkürzt mitbekommen hat und den Freund des Angreifers sowie den Angreifer selbst, die nachweislich falsche Aussagen tätigten.

Wir sind enttäuscht, dass trotz der Aufmerksamkeit die Rassismus in dem letzten Jahr in den Medien bekommen hat, leider in diesem Fall nicht sensibler mit dem Übergriff umgegangen wurde. Die Tatsache, dass die Polizei ankommt, nach Erzählungen den Angreifer, der als Waldhof Fan zu erkennen war, als erstes nach dem Spielergebnis befragt sowie Mikes Aussage in drei Sätzen aufnahm und sich nichtmal ansatzweise Mühe gaben ihn zu verstehen oder eine*n Dolmetscher*in hinzuzogen, sind für uns konkrete Ausdrücke des Rassismus, der unsere Gesellschaft strukturell durchzieht. Wir werden versuchen weiter dagegen zu kämpfen und auch wenn wir Mike in diesem Fall nicht juristisch helfen konnten, ist er dankbar für die Unterstützung, die er auch erfahren hat.

Durch Spenden vieler konnten wir die Anwaltskosten relativ schnell decken, alle Spenden die darüber hinaus eingegangen sind (100 €) leiten wir an die Leuchtlinie weiter, die Mike nicht nur mit Beratung und Expertise unglaublich unterstützte, sondern diesen Fall trotz verwehrter juristischer Aufarbeitung weiter als rassistischen Übergriff in ihrer Statistik führen. Mike und wir wollen allen Danken, die mit Spenden dazu beigetragen haben, dass wir es wenigstens Versuchen konnten vor Gericht zu ziehen und so zumindest ein bisschen Einblick in das polizeiliche Vorgehen bekommen haben, sowie bestätigt bekommen haben, dass das viel gepriesene neue Kamerasystem eben sowohl keine Übergriffe verhindert, als auch nicht geholfen hat ihn aufzuklären. Falls ihr mehr erfahren wollt oder diese Geschichte durch verschiedene Medien nochmal aufgreifen wollt, wären wir froh und sind dafür erreichbar.

Juni bis Juli

Nach Monaten des Wartens bekommen wir Akteneinsicht und diese ist ernüchternd für uns. Insbesondere natürlich für Mike. Gleichzeitig mit der Akteneinsicht kommt die Nachricht, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen „Mangels an öffentlichem Interesse“ einstellen will. Die Ermittlungsarbeit wirft Fragen auf. Die Aussagen der einzelnen Zeug*innen und des Angreifers sind kurz, abstrakt oder schlicht falsch. Das Video kann zwar einzelne Aussagen widerlegen, aber die moderne Videoüberwachung am Paradeplatz bekommt genau das, was sie soll, nicht hin. Weder hat sie richtig auf den Vorfall fokussiert, noch passt der Winkel um wirklich jede Handbewegung zwischen den Personen einzufangen. Mikes Aussage bei der Polizei wurde schriftlich auf ein paar Sätze heruntergebrochen. Die Sätze sind in einem gebrochenen Deutsch geschrieben, das wohl die Sprache Mikes wiedergeben soll. Mike spricht kein perfektes Deutsch und wir können uns vorstellen, dass es in dieser psychischen Ausnahmesituation noch schwerer für ihn war, aber diese Art seine Aussage aufzunehmen zeugt von Unwillen zu ermitteln. Entweder man hätte sich ordentlich Zeit nehmen, oder einen Dolmetscher dazu holen müssen. Die rassistischen Beleidigungen werden nirgends erwähnt. Das Video zeigt aber auch, mit welcher Aggression auf Mike eingeschlagen wurde und wir legen gemeinsam mit dem Anwalt Beschwerde gegen die Einstellung der Staatsanwaltschaft ein.

März bis Mai:

Nach der Tat kam die Polizei vernahm die Beteiligten und einzelne Zeug*innen. Das Video der Kameras am Paradeplatz wurde gesichert und ein Ermittlungsverfahren gegen den Angreifer wie auch gegen Mike wegen Körperverletzung aufgenommen. Für Mike war diese Prozedur sehr anstrengend, da er verletzt war und Angst hatte. In den ersten Tagen fühlt er sich unwohl alleine daheim zu sein und hält sich deshalb viel in den Räumen der Falken auf. Er muss wegen seinen Verletzungen zu verschiedenen Ärzten und hat Angst, dass die Schläge auf die Brust eine Operationswunde, die von einer Vorerkrankung kommt, wieder aufgerissen haben. Wir holen den Verein Leuchtlinie (https://www.leuchtlinie.de/) ins Boot und suchen uns einen Anwalt. Dieser Anwalt beantragt Akteneinsicht und berät Mike, was juristisch auf ihn zukommen wird. Zwischenzeitlich werden die Maßnahmen gegen Covid-19 implementiert und wir müssen unsere Unterstützung leider komplett umstellen. Die Anfrage nach Akteneinsicht bei der Polizei wird mit Verweis auf die zusätzlichen Aufgaben einfach nicht beantwortet. Unsere Möglichkeiten finanzielle Mittel für den Prozess von Mike zu sammeln sind genauso von der Pandemie betroffen. Die klassischen Strukturen und Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Solidaritätsparty zu veranstalten sind nicht mehr möglich. Wir kommen auf die Idee eine Radioshow zu konzipieren und bekommen Hilfe von unterschiedlichen linken Mannheimer Organisationen. Die Show könnt ihr nachhören. Nochmal vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben.

Sendung im Bermudafunk

Am Sonntag war also unsere Radiosendung. Wer nicht dabei sein konnte oder sie noch einmal hören möchte: https://bermudafunk.org/sendungen/sendungen/freiraum.html

Und ein besonderer Dank geht an die beteiligten Bands und Projekte, die uns unterstützt haben!

Hervorheben wollen wir aber ganz zuerst die Liquid Cats, die extra einen Song produziert haben, der dann leider nicht mehr gesendet werden konnte.

Ausserdem hatten wir Musik und Beiträge von:
Kaufmann Frust: http://kaufmannfrust.de/
Future Family: https://www.facebook.com/FutureFamilyRap/
Kabinett: https://www.instagram.com/kabinett.ma/?hl=de
Traven: https://traven.bandcamp.com
Trotz Alledem
Apach-O-Matic: https://apach-o-matic.bandcamp.com/
The Schogettes: https://www.facebook.com/theschogettes/
Wortkarg MC: https://soundcloud.com/w-wie-jerry/

NSU Tribunal
OAT Mannheim

Allen Beteiligten und Unterstützer*innen nochmals herzlichen Dank!

Soli-Radio gegen Rassismus

Im Vordergrund: Soli-Radio! Unsere Solidarität gegen rassistische Angriffe! 17. Mai, 16-18 Uhr im Bermudafunk. Im Hintergrund: Demoblock mit Falken- und Antifafahne. Auf dem roten Fronttranspi steht in weisser Schrift: Rechtsruck stoppen, Rassismus beginnt nicht erst am rechten Rand. Auf dem weissen Seitentranspi steht in schwarzer Schrift: Solidarität muss praktisch...

Das JUZ Mannheim und die SJD - Die Falken Mannheim senden zwei Stunden Soli-Radio. Ein Mitglied der Falken wurde im Februar rassistisch angegriffen und trug erhebliche Verletzungen davon. Wir wollen mit dieser Sendung helfen, die antirassistische Arbeit der Falken zu finanzieren und deshalb mit Euch gemeinsam Soli-Radio hören. Am 17. Mai von 16 - 18 Uhr senden wir im bermudafunk zwei Stunden Musik und Informationen zu Antirassistischer Arbeit und Hilfe.

Spenden könnt Ihr bereits ab jetzt über unser Konto:
SJD Die Falken, Santander Bank
IBAN DE25500333001296687700
BIC SCFBDE33XXX
Stichwort: AntiRa

Unter anderem könnt Ihr in der Sendung hören:
  • Nektarios Vlachopolous
  • The Schogettes
  • Apach-O-Matic
  • Kaufmann Frust
  • Trotz alledem
  • Kabinett
  • Liquid Cats
  • Wortkarg MC
  • Traven
Inhaltliche Beiträge liefern uns:
  • NSU Tribunal
  • Leuchtlinie
  • OAT Mannheim
Ausserdem informieren wir darüber, was Ihr tun könnt, wenn Ihr rassistische Gewalt erlebt und wie Ihr antirassistische Initiativen unterstützen könnt. Wenn die Sendung online geht, wird sie auch vom Fanladen St. Pauli beworben!